Danke für 2019

Liebe cff-Mitstreiter*innen,

Das Camp ist vorbei und wir kommen langsam wieder in den „normalen“ Alltagstrott.
Wir hoffen, dass wir all unseren Besucher*innen und Mitwirkenden eine schöne Zeit, spannende Erfahrungen und lehrreiche Workshops bieten konnten.
Hier möchten wir nun mit ein paar mehr Worten das Camp resümieren, ein paar positive sowie negative Ereignisse hervorheben und ein Fazit ziehen.

Zu allererst möchten wir allen Menschen danken, die dazu beigetragen haben, dass das Camp zu dem geworden ist, was es dieses Jahr geworden ist. Danke an das ehrenamtliche Mitmachteam, welches seit Ende 2018 mit der Planung beschäftigt war, danke an die verschiedenen Stiftungen sowie den privaten Geldgeber*innen, die uns über betterplace finanziell unter die Arme gegriffen haben, danke an die Initiativen und Organisationen, die uns geholfen haben, zu mobilisieren oder uns in anderer Form unterstützt haben, danke an die Anwohner*innen aus Buir, die uns herzlich empfangen haben und während des Camps öfter besucht haben, danke an das internationale Sommercamp von den Young Friends of the Earth Europe, danke an die BUNDjugend Bundesgeschäftsstelle, danke an das hauptamtliche Team aus dem Büro in der BUNDjugend NRW Landesgeschäftsstelle.
Ohne all die großen und kleinen Beiträge hätte das Camp nicht stattfinden können.

Leider gab es dieses Jahr – im Vergleich zu den letzten zwei Jahren – viele unschöne Zwischenfälle, Probleme und Auseinandersetzungen.
Schon im Vorfeld hat sich eine Bürgerinitiative klar gegen uns ausgesprochen, eine Demonstration organisiert und bei Facebook Stimmung gegen uns gemacht.
Unser Bestreben dieses Jahr war es, den Dialog zwischen den unterschiedlichen Parteien zu fördern. Wir haben schon immer versucht, in den Dialog zu treten, letztes Jahr lag der Fokus auf den Gewerkschaften, um ihnen klar zu machen, dass es uns nicht darum geht, Arbeiter*innen anzugreifen (verbal), sondern wir Politik und Gesellschaft adressieren.
Dieses Jahr ging es vor allem um die Bürger*innen aus der Region sowie die Gedanken und Ideen für einen gemeinsamen Strukturwandel.
Dass uns schon im Vorfeld solch eine Wut und Hass entgegenschlägt, hat uns überrascht. Wir haben in den letzten zwei Jahren bewiesen, dass wir ein friedliches und offenes Camp sind. Und dennoch wurden wir mit wilden Vorwürfen über Krawall und Straftaten beschuldigt.
Die aufgeheizte Stimmung haben wir vor Ort zu spüren bekommen. Immer wieder sind hupende Autos vorbeigefahren, Menschen haben beim Vorbeilaufen wüste Beschimpfungen ausgestoßen oder uns den Mittelfinger gezeigt.

Auf ein paar Ereignisse wollen wir genauer eingehen.
Im Laufe des Camps sahen wir uns gezwungen, Menschen von unserem Camp zu verweisen. Dabei hat es sich nicht um Teilnehmer*innen des camp for [future] gehandelt, sondern um Gäste, größtenteils aus Buir und Umgebung.
Es gab übergriffiges Verhalten, wenn beispielsweise grundlegende Regeln nicht eingehalten wurden (Rauchen nur im Raucherbereich oder alkoholische Getränke nur abends und nicht im Essensbereich oder Schlafbereich) und teilweise rassistische und/oder sexistische Beleidigungen oder politisch unkorrekte Sprache. In solchen Fällen wurden die betroffenen Menschen vom Campgelände gebeten, allerdings immer mit einer ausführlichen Erklärung sowie Raum für Diskussion und Erklärung. Wir wissen, dass wir uns in einer extrem hochschwelligen Blase befinden, die sehr sensibel auf Sprache und den Umgang miteinander achtet. Wenn Menschen keine Berührungspunkte mit solch einer Blase haben, ist es oft schwer zu verstehen, was „falsch“ gemacht wurde und was der korrekte Umgang ist. Daher wurde jedem Menschen genau geschildert, wo das Problem liegt und wie wir strukturiert sind. Zudem wurde ein „Platzverweis“ lediglich für den betreffenden Tag ausgesprochen und immer dazu eigeladen, an einem anderen Tag wieder zu kommen, mit der Möglichkeit, über den Vorfall zu diskutieren und sich zu erklären.

In zwei anderen Fällen konnten wir leider die verantwortlichen Menschen nicht ausfindig machen.
Zu Beginn wurde uns eine „Alien-Statue“ (die als CD-Ständer diente) entwendet und zwei Straßen weiter gegen ein Auto einer Anwohnerin geworfen. Dabei wurde die Statue zertrümmert und das Auto hat Kratzer bekommen.
Hierbei sind wir uns sehr sicher, dass es sich um Menschen handelt, die uns schaden wollten und nicht zum Camp gehören, indem vermutet wird, dass Campteilnehmer*innen randalierend durch die Straßen ziehen.
Wir haben den Vorfall umgehend der Polizei gemeldet und uns bei der Autobesitzerin entschuldigt und versucht, ihr zu erklären, dass wir dafür nicht verantwortlich sind.
Zudem wurde im Laufe des Camps die Kamera von einem Menschen aus dem Team entwendet. Hierbei handelt es sich um eine sehr teure Spiegelreflexkamera die durch die Umstände (Zeltlager auf einem Acker) versicherungstechnisch nicht zu ersetzen ist. Somit ist ein Verlust um die 3.000 Euro entstanden. Bei diesem Diebstahl sind wir uns nicht sicher, ob es ein Mensch vom Camp oder von außerhalb war, da die Kamera in einer Tasche iim Pressezelt lag, welches an sich nur für Menschen aus dem Presseteam zugänglich, aber natürlich kein abgeschlossener Raum ist.

Aber neben den unschönen Vorfällen gab es auch unzählige schöne Ereignisse, Erfahrungen und Gespräche.
Während des Camps sind einige Menschen aus Buir zu uns gekommen und haben uns mitgeteilt, dass sie positiv überrascht sind, wie friedlich und ruhig unser Camp verlief. Es sind sogar Anwohnende zu uns gekommen, die im Vorfeld auf der Gegendemo der Bürgerinitiative „Gemeinsam“ waren. Wir möchten hier unseren Respekt aussprechen, für so viel Rückrat, zu uns auf die Fläche zu komme, und so ehrlich zu sein, dass sie sich getäuscht haben. Vielen Dank dafür!
Durch die regen Besuche von den Bürger*innen aus Buir entstanden einige spannende und lehrreiche Gespräche, die wir unbedingt weiterführen möchten.

 

Zum Abschluss möchten wir nochmal betonen, was für eine spannende Erfahrung es war, das Summercamp von den Young Friends of the Earth Europe auf unserem Camp zu haben – bessergesagt, dass wir gemeinsam mit den YFoEE ein großes und spannendes internationales Camp gestaltet haben. Dadurch sind sehr interessante Dynamiken entstanden, die wir als camp for [future] noch nicht kannten.
Es sind Freundschaften, Gespräche und Diskussionen mit Menschen aus ganz Europa entstanden, es waren Fridays for Future Aktivist*innen sogar aus Russland bei uns, die mit uns das Camp gestaltet haben, demonstriert haben und schöne Abende am Lagerfeuer verbracht haben.
Alles in allem danken wir den Young Friends of the Earth Europe von Herzen und freuen uns auf weitere Zusammenarbeit!
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*auf dem Bild seht ihr Clara und Malte, stellvertretend für das camp for [future] zusammen mit Greta Thunberg und Aktivist*innen aus dem Hambacher Wald*